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3. Rohstoffgipfel in Berlin kritisiert Standardabschwächungen im Rohstoffsektor

von Julia Albrecht

Berlin, 5. Oktober 2026. Das zivilgesellschaftliche Bündnis „Arbeitskreis Rohstoffe“ (AK Rohstoffe) warnt vor einer drohenden weiteren Aufweichung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards. Im September hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erneut vor Europas Abhängigkeit bei „kritischen Rohstoffen“ insbesondere von China gewarnt und zur Bevorratung aufgerufen. Lieferketten sollen diversifiziert, Genehmigungsverfahren für Projekte innerhalb der EU beschleunigt und EU-Regulierungen weiter vereinfacht werden. Beim 3. Rohstoffgipfel in Berlin am 6. Oktober diskutieren Expert*innen die negativen Folgen des steigenden Rohstoffverbrauchs und der Abschwächung von Schutzstandards  sowie politische Lösungsansätze.

Die jüngste Ankündigung Ursula von der Leyens, die „Simplification Agenda“ der EU weiter voranzutreiben, könnte Umwelt-, Menschenrechts- und Beteiligungsstandards bei Rohstoffprojekten weiter aushöhlen.  Mit dem Argument der „Vereinfachung“ sollen Bürokratie, Verwaltungskosten und Berichtspflichten drastisch reduziert werden. Doch de facto werden Schutzstandards in vielen Bereichen abgeschwächt, wie es bereits bei der EU-Lieferkettenrichtlinie geschehen ist.

Mehr als die Hälfte der Rohstoffvorkommen für Zukunftstechnologien - darunter Lithium, Nickel und Kupfer - befinden sich auf oder in der Nähe des Landes indigener Völker. Auch in Nordeuropa sollen Projekte in indigenen Territorien ausgeweitet werden. Andernorts, zum Beispiel in Portugal, werden lokale Gemeinden nicht ausreichend in Entscheidungen eingebunden.

Weltweit drohen sich soziale Konflikte durch Bergbauprojekte zu verschärfen. „Im Norden Argentiniens bedroht der Lithiumabbau ein sensibles Ökosystem und die Lebensgrundlagen indigener Gemeinden. Sie beklagen seit Jahren eine Missachtung ihrer Rechte, die eine freie, vorherige und informierte Zustimmung oder Ablehnung des Rohstoffabbaus vorsehen. In der Provinz Catamarca ist bereits ein Fluss ausgetrocknet. Das dort abgebaute Lithium landet unter anderem auch bei deutschen Automobilherstellern“, sagt Pía Marchegiani von FARN, einer argentinischen Partnerorganisation von Brot für die Welt.

Der AK Rohstoffe fordert in seinem neu veröffentlichten Papier eine grundsätzliche Wende. „Weniger Rohstoffverbrauch und eine umfassende Kreislaufwirtschaft verringern den Druck auf Abbauregionen weltweit, reduzieren Abhängigkeiten und erhöhen auch die Resilienz der EU. Dafür braucht es verbindliche Ziele, um den Primärrohstoffverbrauch auf ein nachhaltiges und global gerechtes Niveau zu senken und die Kreislaufwirtschaft zu stärken, ohne dabei jedoch zirkuläre Wertschöpfungsketten im globalen Süden zu schwächen“, sagt Hannah Pilgrim, Koordinatorin des AK Rohstoffe, und betont: „Rund 90 Prozent der weltweit eingesetzten Rohstoffe werden bis heute nur einmal genutzt. Eine konsequente Kreislaufwirtschaft hat das Potenzial, die weltweite Primärförderung bei einigen Rohstoffen bis 2050 um bis zu 40 Prozent zu senken. Die Chance muss durch einen ambitionierten Circular Economy Act genutzt werden!“

Auch enorme Umweltgefahren könnten reduziert werden: Für eine einzige Tonne gereinigter seltener Erden fallen beispielsweise bis zu 2.000 Tonnen giftiger Abfall an. Ein massiver Ausbau des Bergbaus – zunehmend auch angetrieben durch die wachsende Nachfrage aus Bereichen wie KI und Rüstungsindustrie – droht Lebensräume großflächig zu zerstören. „Das Wohlergehen von Menschen und Umwelt darf nicht wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen untergeordnet werden“, sagt Hannah Pilgrim und ergänzt: „Außerdem braucht es grundlegende Veränderungen unseres globalen Wirtschafts-, Handels- und Finanzsystems, welches viele Staaten im Globalen Süden nach wie vor in der Rolle von Rohstoffexporteuren ohne nachhaltige lokale Wertschöpfung festhält.“

Hintergrund:

Beim Rohstoffgipfel am 6. Oktober in Berlin diskutieren Vertreter*innen aus der Politik, (inter)nationaler Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften über Wege einer zukunftsfähigen und global gerechten Rohstoffpolitik. Die hybride Veranstaltung ist der politische Höhepunkt der „Alternativen Rohstoffwoche 2026“. Weitere Informationen zum Rohstoffgipfel und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.