NGO warnt zum Weltwirtschaftsforum: Wirtschaftliche Macht bedroht Demokratie – Protest am 18.01. in Davos
von Julia Albrecht
Berlin/Davos – Beim Weltwirtschaftsforum in Davos beraten Regierungsvertreter, Wirtschaftsführer und Lobbyisten über globale Wirtschaftsfragen. Kritik kommt von Nichtregierungsorganisationen, die dem Treffen eine zunehmende soziale Schieflage vorwerfen. Steigende Lebenshaltungskosten, soziale Unsicherheit und die Klimakrise zeigten, dass das bestehende Wirtschaftssystem nicht mehr dem Gemeinwohl diene, erklärte die Organisation Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (WEED).
Während große Vermögen und Konzerne ihre Marktposition ausbauten, gerieten weltweit immer mehr Menschen unter Druck – etwa durch steigende Mieten, unsichere Arbeitsverhältnisse oder den Abbau sozialer Sicherungssysteme. NGOs warnen vor einer wachsenden sozialen Spaltung und protestieren deshalb in Davos gegen das jährliche Treffen der globalen Wirtschaftseliten.
„Hier in Davos zeigt sich ein zentrales Demokratieproblem: Wer viel Geld hat, bekommt Gehör, wer die Folgen trägt, bleibt außen vor“, sagt Leonie Bröcheler, Bildungsreferentin von WEED. Diese Schieflage gefährde Demokratien weltweit. Deshalb unterstütze die Organisation die Proteste des Bündnisses StrikeWEF in Davos.
„Autoritäre Tendenzen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind das Ergebnis von Spielregeln, die Profite über Gemeinwohl und ökologische Grenzen stellen. In Davos treffen sich vor allem jene, die diese Regeln gestalten und von ihnen profitieren,“ so Simon Pompé, Referent für Finanzpolitik von WEED. „Wenn wir soziale Unsicherheit und globale Herausforderungen wie den Klimawandel bekämpfen wollen, müssen wir die Weltwirtschaft grundlegend demokratisieren“, sagt Pompé.
Nach Ansicht von WEED seien andere wirtschaftliche Rahmenbedingungen möglich und notwendig. Eine zukunftsfähige Wirtschaft müsse soziale Sicherheit gewährleisten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und ökologische Grenzen respektieren.
„Grundlegende Bereiche wie Bildung, Gesundheit und Wohnen dürfen nicht von Renditeinteressen abhängen“, sagte Lotte Jäger, Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte von WEED. Daseinsvorsorge gehöre in öffentliche Verantwortung. Zudem sei extremer Reichtum ein Demokratieproblem. Die Organisation fordert unter anderem eine Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge, strengere Kartellregeln gegen Monopole, verbindliche internationale Umwelt- und Arbeitsstandards sowie eine stärkere Besteuerung sehr großer Vermögen.
WEED ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich seit rund 35 Jahren für eine ökologisch nachhaltige, global gerechte und demokratische Weltwirtschaftsordnung einsetzt. Vertreter der Organisation nehmen an einer Protestwanderung und an einer Kundgebung am Sonntag in Davos teil und stehen für Interviews zur Verfügung. Ebenfalls vor Ort ist Massa Koné, Mitorganisator des Weltsozialforums, das 2026 in Cotonou in Benin als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum stattfinden soll.
Kontakt für Interviews
- 16.–19.01.2026: Telefonisch und vor Ort bei der Protestwanderung
- 18.01.2026, 16:00 Uhr: Vor Ort in Davos (Postplatz, Abschlusskundgebung)
- 19.–23.01.2026: Telefonisch während des Weltwirtschaftsforums
Kontakt: Leonie Bröcheler | Tel.: +49 174 7651932 | E-Mail: leonie.broecheler@weed-online.org